Wandern im Naturpark Serra Malagueta

Auf unseren Roadtrips über Santiago sind wir mehrmals an dem im Norden der Insel liegenden Nationalpark vorbei gekommen. Obwohl wir keine geübten oder gar passionierten Wanderer sind, beschlossen wir, uns den Park anzusehen. Und das war eine gute Entscheidung – auch wenn mal wieder einiges anders kam als geplant.Am frühen Vormittag stellten wir unseren Mietwagen auf dem kleinen und leeren Parkplatz vor dem Eingang ab und machten uns auf den Weg um ein Ticket für 200 Escudos pro Person zu kaufen. Allerdings konnte uns der Mitarbeiter nicht rausgeben und wusste auch nicht, wo wir Geld wechseln lassen konnten und so ließ er uns umsonst hinein – das wäre zu Hause undenkbar. Aber das Motto in Kap Verde ist nunmal nicht umsonst „No Stress“. Da wir sowieso geplant hatten, an der Raststätte innerhalb des Parks unsere Wasservorräte aufzustocken beschlossen wir, bei unserer Rückkehr unsere Schulden zu begleichen, schulterten die Rucksäcke und machten uns auf den Weg. Wir hatten uns, den üblichen Temperaturen Kap Verdes entsprechend, eher luftig angezogen. Da unsere Route aber auf der Schattenseite der Berge begann und es noch früh am Tag war, wurde mir trotz der Bewegung recht schnell kalt. Zum Glück hatte ich noch ein langärmeliges Oberteil und eine lange Hose dabei und ich konnte mir etwas überziehen. Einer weit geschwungenen Kurve bergauf folgend registrierten wir irgendwann einige kleine Info-Täfelchen die in zugewucherten kleinen Beeten steckten. Es handelte sich hierbei um die Überreste eines kleinen botanischen Gartens, doch mangels Pflege wächst in den mit Steinen eingefassten Hochbeeten leider kaum noch etwas. Der verwahrloste Zustand dieser Beete ließ darauf schließen, dass für den Unterhalt des Parks wohl zu wenige Mittel zur Verfügung stehen – wie schon in den anderen Artikeln erwähnt, herrscht auf dem Inselstaat eine enorme Wasserknappheit.

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Der Wanderweg schlängelt sich in einer weiten Kurve den Berg hinauf
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Die traurigen Überreste des botanischen Gartens

Trotzdem ist es rund um den Wanderweg relativ grün und je höher man kommt, umso üppiger gestaltet sich die Pflanzenwelt. Das ist dem Umstand zu verdanken, dass sich zwischen den Bergketten der Nebel fängt und so wenigstens etwas Feuchtigkeit an die Faune abgegeben wird. Hauptsächlich entdecken wir Pinien, Zypressen und kleine Eukalyptuswäldchen. Es soll angeblich Affen im Nationalpark geben, entdeckt haben wir aber keine – und auch sonst keine Säugetiere. Bis auf ein paar Vögel und die für Kap Verde typischen schwarz-gelben Spinnen kreuzten lediglich ein paar Eidechsen unseren Weg. Weite Ausblicke über den Berghang wechselten sich mit Passagen durch feuchte kleine Nebelwälder ab. Kleine Nebelfetzen, die der Wind über den Weg trieb, verliehen dem Ganzen etwas mystisches.

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Schwer hängt der Nebel zwischen den Bergketten
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Teilweise führt der Weg durch schattige kleine Wäldchen
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Bei klarer Sicht ist der Blick bestimmt noch fantastischer

Schließlich erreichten wir eine Weggabelung, deren Beschilderung uns allerdings mehr verwirrte als uns zu helfen. Es wurde mittlerweile wärmer und so tauschte ich die lange Kleidung gegen etwas luftigeres und Sonnencreme und wir entschieden uns für den Weg zu unserer linken. Marschierten wir vorher auf einem breiten, teils mit Kopfstein gepflastertem Weg, mussten wir nun im Gänsemarsch einem ausgetretenen und recht schmalen Trampelpfad folgen. Als wir uns immer mehr an den Bäumen und Felsen auf unserer rechten Seite festhalten mussten, um nicht den steilen Abhang auf der linken Seite hinunter zu rutschen, beschlich uns langsam so eine Ahnung, dass wir lieber den anderen Weg hätten nehmen sollen. Ein Stück voraus sahen wir allerdings, wie der Pfad wieder breiter wurde und schließlich in einen kleinen Wald führte und so bissen wir die Zähne zusammen und schoben uns weiter. Plötzlich kamen uns ein paar Frauen entgegen, die Holz und Stroh auf ihren Köpfen transportierten. Die meisten sahen uns nur verwundert an, doch eine versuchte leicht aufgebracht, uns irgendetwas mitzuteilen. Sie gab irgendwann kopfschüttelnd auf und ließ uns verwirrt und auch ein wenig besorgt zurück. Wahrscheinlich wollte sie uns darauf hinweisen, wie gefährlich der Trampelpfad für ungeübte Touristen ist. Wir waren deshalb ziemlich erleichtert, als wir zum Ende der Kletterpartie kamen und durch die Bäume die Raststätte sehen konnten. Wir hatten nicht allzu viel Wasser und Proviant eingepackt und wollten nun die Vorräte auffüllen. Ich weiß eigentlich auch nicht genau, warum wir dachten, dass sich der Nationalpark vom Rest der Insel unterscheiden sollte was die touristische Infrastruktur betrifft. Denn, wie so oft, war das Rasthaus schon lange verlassen und gammelte langsam vor sich hin.

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Das Rasthaus ist unverkennbar schon lange außer Betrieb
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Man kann noch erahnen, wie es hier einmal ausgesehen haben muss

Was tatsächlich ein mittelgroßes Problem darstellte, denn unsere Wasservorräte neigten sich dem Ende zu. Nach einer kleinen Rast setzten wir unseren Weg noch ein Stück fort und gelangten schließlich zu einem kleinen Funkturm. Von dort aus führten mehrere Wege auf verschiedenen Routen weiter durch den Nationalpark und wir hatten einen sehr schönen Blick. Vernünftigerweise beschlossen wir aber, an diesem Punkt umzukehren bevor unsere Flaschen ganz leer sein würden. Für den Rückweg hielten wir uns diesmal an den eigentlichen Weg, der bedeutend angenehmer war. Alles in allem ist aber die gesamte Route auch für wenig erprobte und nicht ganz so trittsichere Personen gut machbar und auch auf jeden Fall empfehlenswert. An Tagen mir klarem Himmel kann man sogar die Nachbarinseln Fogo und Maio sehen und hat einen weiten Blick über den Atlantik. Ich muss sicher nicht erwähnen, dass uns das wie üblich verwehrt blieb 😉

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Dunst statt Ausblick
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Der eigentliche Wanderweg ist breit und gut ausgebaut

Als wir wieder am Tickethäuschen ankamen und dem Mann erklären wollten, dass wir versuchen würden Geld zu wechseln und dann wieder kommen um die Tickets zu bezahlen, fanden wir den Schalter allerdings unbesetzt vor. Auch die Schranke war herunter gelassen worden und der Parkplatz nach wie vor leer. Wir warteten noch eine Weile, allerdings kam niemand mehr. Schließlich trieb uns der Hunger weiter nach Tarrafal. Doch auch auf dem Rückweg war niemand am Eingang der Serra Malagueta anzutreffen. Vermutlich sitzt dort nicht allzu oft jemand, da wohl nicht wirklich mit Besuchern gerechnet wird. Das würde auch zum Gesamteindruck den Tourismus betreffend passen.

Auch wenn die Wanderung nicht ganz so verlaufen ist wie geplant und zudem deutlich kürzer war als wir es vorhatten, bin ich sehr froh, die Serra Malagueta zumindest zu einem kleinen Teil erkundet zu haben und kann den Naturpark wärmstens und guten Gewissens empfehlen – und einen Platz auf meiner imaginären Highlight-Liste erhält er ebenfalls 🙂

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Freunde der Bergwelt sollten sich die Serra Malagueta nicht entgehen lassen

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