Santiago – Teil 2: Der Osten

Tagelang könnte man seine Zeit auf Santiago einfach nur damit verbringen, über die Insel zu fahren und zu gucken. Nachdem wir den Westen von Kapverdens größter Insel ausgiebig erkundet hatten, war am nächsten Tag der Osten an der Reihe. Und es war überraschenderweise ganz anders als die Tour am Vortag.Und das lag nicht zuletzt an den komplett anderen Straßenverhältnissen. Sind wir im Westen der Insel noch über perfekt geteerte, breit ausgebaute Straßen gefahren, suchten wir im Osten vergeblich nach solchem Luxus. Rumpelnd ging es die ganze Strecke über Kopfsteinpflaster. Die Versuche, den riesigen Schlaglöchern auszuweichen, wurden dadurch erschwert, dass die Straßen in diesem Teil Santiagos eng und kurvig sind und die ein oder andere Kuh im Weg stand. Wenn dies alles mal nicht der Fall war, mussten wir dennoch aufpassen nicht über den Abgrund zu schlittern und auf den Klippen zu zerschellen – denn Leitplanken sind kaum vorhanden und wenn, dann sind sie meist nicht gerade Vertrauen erweckend.

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Altes Kopfsteinpflaster macht die Straße zur reinsten Ruckelpiste
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Streckenweise fährt man durch karge Mondlandschaften
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Relativ häufig mussten wir hier Kühen ausweichen

Der ganze Aufwand lohnt sich aber mächtig: Hier ist Santiago noch unberührter und ursprünglicher als im Westen. Wir begegneten mehr Rindern als Menschen und da es keinen bekannten Badestrand gibt, machen sich auch nur wenige Touristen die Mühe hier her zu kommen. Die verpassen aber eindeutig etwas! Die Landschaft ist einfach atemberaubend und wir legten wieder unzählige Stopps ein um unsere Blicke über den Atlantik schweifen zu lassen oder Fotos von versteckten, fruchtbaren Tälern und Buchten zu machen.

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Ich kann ja vom Atlantik nicht genug bekommen
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Absolute Stille und eine Landschaft, die einen den Rest der Welt vergessen lässt
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Kleine Buchten gibt es hier überall

Die Lichtverhältnisse an diesem Tag in Kombination mit der malerischen Szenerie sorgten dafür, dass wir uns kaum losreißen konnten und weiter unser eigentliches Ziel zu verfolgen. Wir hatten nämlich die Suche nach dem ominösen Strand, dessen Existenz wir aber beinahe schon zu bezweifeln begonnen, noch nicht ganz aufgegeben. In Ribeira da Prata sollte sich nämlich der sogenannte „Silberstrand“ befinden. Vornehmlich vulkanischen Ursprungs ist der schwarze Sand dort und er gilt als der schönste Sandstrand der Insel. Gleichzeitig ist er ziemlich unberührt, da er kaum bekannt ist und sich nur wenige Touristen hier hin verirren. Er liegt unweit von Tarrafal versteckt an einem ausgetrockneten Flussbett. Da wir am vorherigen Tag irgendwie nicht in der Lage dazu waren, ihn zu finden (siehe Teil 1) wollten wir heute nicht eher aufgeben, als bis wir schwarzen Sand unter den Füßen haben. Und dann, nach zahllosen Kurven und Fotostopps, erstreckte sich plötzlich unter uns ein von Kokospalmen gesäumter, mit schwarzem Sand versehener Strand. Durch die Wolkendecke fiel ein Sonnenbündel direkt auf die Bucht wie ein Scheinwerfer und machte so alleine den Anblick von oben zu etwas ganz besonderem. Wir ließen das Auto kurz vor einer alten Steinbrücke, die über das staubige Flussbett führt, stehen und kletterten den kleinen Abhang hinunter in Richtung Meer. Als wir die letzten Zweige eines Buschs beiseite schoben, erkannten wir, dass wir dieses kleine Schmuckstück nicht ganz für uns alleine hatten: Große Rinder lagen genüsslich widerkäuend im von der Sonne erwärmten Sand und schenkten uns wenig Beachtung. Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet und laut lachend machten wir einen Spaziergang über den feinsten Sand, den ich jemals unter meinen Füßen hatte. Und nicht nur, dass der Sand schwarz war, nein, er glitzerte und funkelte auch noch in der Sonne und verlieh dem Ganzen dadurch eine fast surreale Atmosphäre. Keine Menschenseele war hier unterwegs, keine Fußspuren führten durch den Glitzersand und es herrschte absolute Stille – abgesehen vom Rauschen des Meeres.

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Folgt man dem Flussbett rechter Hand gelangt man zum „Silberstrand“
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Die ein oder andere Muschel wird hier angespült
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Weit und breit nichts zu sehen außer Glitzersand…
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… und entspannte Rinder

Die Mühe und das Durchhalten haben sich definitiv gelohnt – den Strand in Ribeira da Prata ziehe ich auf jeden Fall der Badebucht in Tarrafal vor.

Nach ausgiebigem Sonnenbaden und Bewundern der Szenerie machten wir uns schließlich irgendwann auf den Rückweg – der Hunger trieb uns weiter. In Cidade Velha, der alten (Haupt – ) Stadt die sich ganz im Süden Santiagos befindet, ließen wir uns frischen Fisch schmecken. Viele Tagestouristen kommen im Rahmen ihrer geführten Inselrundfahrt hier vorbei und so verwunderte es uns nicht, dass hier der Tourismus spürbarer war als sonst auf Santiago – wenn auch in keinerlei Vergleich zu anderen typischen Reisezielen. Auch hier wurde das lange ausgetrocknete Flussbett umfunktioniert und beherbergt nun einen Kiosk und Fußballtore. Oberhalb der Stadt, die im Übrigen offiziell Ribeira Grande de Santiago heißt und deren Ortskern seit 2009 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, kann man das alte Fort besuchen. Wir sparten uns das allerdings und auch den ehemaligen Sklavenpfad, der heute landwirtschaftlich genutzt wird und schlenderten nur ein bisschen durch das kleine Fischerörtchen. Hier wie überall sonst auf Santiago blätterte die Farbe von den meisten Häusern, aber teilweise lässt sich noch erahnen, wie farbenfroh das Dörfchen früher gewesen sein muss.

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Vielerorts prägen ausgetrocknete Flussbetten das Stadtbild
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Entlang der Promenade kann man entspannt schlendern und dem Meeresrauschen lauschen
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Der Verfall ist auch in Cidade Velha allgegenwärtig

Wir sind froh, uns der Erkundung Santiagos so ausgiebig gewidmet zu haben. Hätten wir auf den Rat gehört, dass für Kap Verdes größte Insel ein oder zwei Tage Aufenthalt reichen, hätten wir niemals all diese schönen Plätze und Strände entdeckt und wären vermutlich ziemlich enttäuscht auf die nächste Insel weiter gezogen. So haben wir jedoch fantastische Entdeckungen gemacht und unvergessliche Erinnerungen geschaffen.


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