Santiago – Teil 1: Der Westen

Grüne Berge, karge Mondlandschaften, versteckte Buchten und menschenleere Weiten: Das alles fällt mir zu Kapverdens größter Insel ein. Auf den ersten Blick wirkt Santiago eintönig und langweilig. Davon haben wir uns aber nicht abschrecken lassen und mittels Mietwagen einen Roadtrip über die Insel gemacht. Und das hat sich gelohnt!Die ersten fünf Tage unserer Reise haben wir auf Santiago verbracht. Anfangs dachten wir beinahe, das wäre ein Fehler gewesen, denn auf den ersten Blick bietet die Insel nicht allzu viel. Doch zum Glück haben wir diese Einschätzung nicht einfach hingenommen und uns ein Auto gemietet um Santiago zu erkunden. Wir widmeten uns, nachdem wir die Hauptstadt Praia erkundet hatten, zuerst dem westlichen Teil und hatten als Ziel einen der wenigen Badestrände Santiagos in Tarrafal. Schon früh machten wir uns auf den Weg, laut Google Maps sollten wir um die zwei Stunden von Praia nach Tarrafal benötigen. Daraus wurden allerdings beinahe fünf Stunden. Das lag aber nicht am Verkehr oder schlechten Straßenverhältnissen – ganz im Gegenteil. Außer ein paar weniger Sammeltaxis stießen wir kaum auf andere Fahrzeuge und die Straße ist in perfektem Zustand. Breit ausgebaut und ohne Schlaglöcher schlängelt sie sich durch Santiagos Westen. Durch kleine Ansammlungen verlassener Häuser und lebhafter winziger Dörfer geht es immer weiter hinauf in die Berge. Die einzigen Menschen, die wir zu Gesicht bekamen, waren Einheimische. Kinder schleppten mit Hilfe eines alten Esels Kanister mit Trinkwasser nach Hause, Frauen trugen auf ihren Köpfen Brennholz den Berg hinunter und der ein oder andere Ziegenhirte döste im Schatten, während uns seine Schützlinge neugierig beobachteten.

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Hinter jeder Kurve lockte eine neue Aussicht
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Selbst hier schaffen es einige hartnäckige Pflanzen, sich in den Fels zu krallen und zu überlebe
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Die breiten Straßen sind gut ausgebaut und liegen zum Teil zwischen riesigen Steilhängen

Immer wieder gelangten wir an Stellen, von denen aus man einen wunderbaren Blick über die fruchtbaren Täler Santiagos hat. Nur einmal wäre mir vor Schreck beinahe die Kamera aus der Hand gefallen, denn ich hatte die riesigen schwarz-gelben Spinnen, die manchmal zwischen den wenigen Büschen und Bäumen ihre Netze spannen, fast zu spät gesehen. Glücklicherweise blieben die Tierchen wo sie waren – ich bin ja, was die achtbeinigen Krabbler angeht, etwas paranoid. Wir entdeckten schließlich den Nationalpark Serra Malagueta. Da wir aber nicht für eine Wanderung ausgerüstet waren, musste der Park warten – schon hatte es sich ausgezahlt, den Aufenthalt auf Santiago mit fünf Tagen veranschlagt zu haben. Nach unzähligen Stops, die der Schönheit der Landschaft geschuldet waren, erreichten wir schließlich das Örtchen Tarrafal im Nordwesten der Insel. Sofort stach uns auch hier ins Auge, dass wohl irgendwann mal angefangen wurde, in den Tourismus zu investieren, doch wie so oft auf den Inseln konnte er auch hier in Tarrafal nicht richtig Fuß fassen. Dass der kleine Ort über einen wunderschönen Badestrand mit weißem Sand und türkisblauem, klaren Wasser verfügt war wohl nicht genug – die wunderschöne Bungalowanlage direkt am Strand ist geschlossen und verlassen. Zu viele Annehmlichkeiten vermissten die hauptsächlich europäischen Touristen. Bei unserer Recherche kam heraus, dass gelegentliche Stromausfälle und teilweise (aufgrund des enormen Trinkwassermangels) nicht funktionierende Duschen nicht aufgewogen werden konnten durch die perfekte Lage unter Palmen direkt am wunderschönen Atlantik.

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Blick auf die Badebucht
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Riesige Palmen schenken wohltuenden Schatten
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Sauberes Wasser, sauberer Sandstrand – was will man mehr?

Umso besser für uns – nur sehr wenige Menschen waren am Strand zu sehen, hauptsächlich Fischer und ein paar wenige Touristen. Die bunten Fischerboote am Anfang des Strands geben ein furchtbar malerisches Bild ab. Auch hier helfen alle zusammen, ankommende und mit frischem Fisch beladene Boote aus dem Wasser zu ziehen. Die wartenden Frauen füllen den Fang in ihre Körbe und tragen sie auf dem Kopf balancierend zu den umliegenden Restaurants und Marktständen. Somit ist dafür gesorgt, dass im etwas höher gelegenen Restaurant mit Blick auf den Strand und das Meer täglich absolut fangfrischer und köstlich zubereiteter Fisch zu haben ist. Auch hier gilt: Es gibt das, was an diesem Tag gefangen wurde.

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Die Frauen machen sich auf den Weg, um die frischen Fische zu verteilen
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Vom Restaurant aus kann man beobachten wie die Boote auslaufen oder ankommen

Da wir noch von einem anderen Strand gehört hatten, der nicht allzu weit entfernt von Tarrafal liegen sollte, machten wir uns auf die Suche nach eben jenem. Ich nehme es gleich vorweg: Wir haben ihn nicht gefunden. Das Schild, das den Weg dorthin wies, stellte sich als ziemlich nutzlos heraus. Es führte uns in ein Gewirr aus Kopfsteinpflastergässchen und Betonhütten in unterschiedlichen Stadien des Verfalls oder der Fertigstellung. Ein paar Schweine stöberten am Straßenrand nach Essensresten und Kinder spielten vor einer Schule mit alten Autoreifen. Von einem schwarzen Sandstrand keine Spur. Letztendlich landeten wir auf einer schmalen Schotterpiste mit unsäglichen Schlaglöchern und landeten schließlich in Mitten einiger Zuckerrohr – Plantagen. Soviel Grün auf einem Fleck hatten wir noch nie gesehen auf Santiago und so freuten wir uns über unsere Entdeckung anstatt uns darüber zu ärgern, dass wir uns verfahren hatten. Durch die Blätter der Palmen sah ich irgendwann etwas schwarzes schimmern und war voller Hoffnung, den Strand doch noch gefunden zu haben. Aber nö. Es handelte sich nicht um Sand, sondern um einen felsigen Steinstrand.

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Waschechte Atlantikküste – Rau und wild und wunderschön
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Unser holpriger Weg führte durch saftige Plantagen

Wir ließen unseren Blick über die raue Szenerie schweifen und sahen auf der anderen Seite unscharf eine kleine Bucht. Konnte das unser eigentliches Ziel sein? Wir beschlossen, es herauszufinden und machten uns wieder auf den Weg durch die Plantagen und das kleine Dorf. Es ging irgendwann mit dem Auto nicht weiter, also ließen wir den Wagen in der Obhut eines weiteren Schweins zurück und gingen zu Fuß in Richtung Meer. Und was soll ich sagen? Auch hier befand sich der gesuchte Strand nicht. ABER! Dafür ein winzig kleines, abgesehen von zwei Einheimischen, die uns verwundert betrachteten aber höflich grüßten, menschenleeres Fleckchen Strand. Der Sand hatte eine wunderbare Färbung, die sich rötlich-weiß und wellenförmig über die gesamte Breite zog. Nach all unseren wirren Versuchen, diese besagte Bucht mit schwarzem Sand zu finden, gelangten wir schließlich an eine ganz andere Stelle. Und soll ich Dir was sagen? Wir waren so glücklich darüber! Genau das macht es so spannend – auch mal abseits der Wege herumzuirren und dabei kleine verborgene Schönheiten zu entdecken. Wir beschlossen also, die Suche für diesen Tag aufzugeben und es am nächsten Tag noch einmal zu versuchen und erfreuten uns stattdessen an unserer ungeplanten Entdeckung.

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Der holprige Weg hat sich wahrlich gelohnt
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Achtung Seeigel!

Da dieser Teil der Insel schon so wunderschön war, waren wir schon sehr gespannt auf den Osten Santiagos. Und ich kann schon mal soviel verraten: Wir wurden nicht enttäuscht! Ob wir letztendlich doch noch den schwarzen Sandstrand gefunden haben? Das erfährst Du im nächsten Artikel 🙂


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