Inselhopping auf den Kapverden – Ein Überblick

Als wir uns dazu entschieden, die Kapverdischen Inseln zu bereisen, durchforsteten wir das Internet nach Erfahrungen, Empfehlungen und Wissenswertem. Ein bisschen was haben wir auch gefunden, nur lange nicht so viel wie zu allen anderen gängigen Reisezielen. Also habe ich beschlossen, hier mal alles, was ich so rausgefunden habe, für Dich niederzuschreiben.

Allgemeines

Der afrikanische Inselstaat befindet sich im Zentralatlantik ca. 600 Kilometer vor der westafrikanischen Küste. Von den 15 Inseln sind 9 bewohnt. Drei davon haben wir besucht. Zwar ist Cabo Verde, wie es amtlich heißt, wohlhabender als die Staaten auf dem afrikanischen Kontinent, dennoch sucht man europäische Infrastruktur meist vergebens. Bis Mitte der 1970er Jahre gehörte Kap Verde zu Portugal, was man immer noch gut an den im portugiesischen Kolonialstil erbauten Häusern erkennen kann – auch wenn viele von ihnen schon ziemlich verfallen sind.

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Verfallene und verlassene Häuser prägen häufig das Stadtbild
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Häufig kann man den ehemaligen Glanz der Kolonialzeit nur noch erahnen

Die Amtssprache ist nach wie vor portugiesisch, überwiegend wird daneben noch das afrikanisch anmutende Kreol gesprochen.  Englisch wird nur in Regionen, in denen häufiger Touristen anzutreffen sind, gesprochen und das meist auch nicht so gut. Mit einer Mischung aus französisch, englisch und Zeichensprache sind wir relativ gut zurecht gekommen, ein paar Brocken portugiesisch zu beherrschen erleichtert die Verständigung aber ungemein. Die Landeswährung ist der Escudo (1 Euro = 110 Escudos) und es herrscht ein Ausfuhrverbot für kapverdisches Geld. Da ja fast alles importiert werden muss, ist Kap Verde kein Billig-Reiseziel wie Thailand zum Beispiel. Uns war auch gar nicht bewusst, wie sehr die Bevölkerung unter Trinkwassermangel leidet. Von Industrialisierung keine Spur und Ackerland ist schwer zu finden und noch schwerer zu bewirtschaften. So kommt es, dass beinahe alles importiert werden muss – auch Dinge, die für uns selbstverständlich im Supermarkt zu finden sind. Da wir nur mit Handgepäck gereist sind, wollten wir vor Ort Dinge wie Sonnencreme und Shampoo kaufen. Das war schwieriger als gedacht und teuer noch dazu. Luxusgüter wie Kekse, Schokolade, Cola etc. sind zwar zu bekommen, aber man muss sich eben bewusst sein, dass dies alles importiert wird und daher nicht immer ganz günstig ist – außerdem kommt man sich ein wenig komisch vor, wenn man als weißer wohlhabender Europäer an der Kasse steht und 10 Euro für Unsinn ausgibt während die Einheimischen für 2 Euro nur das notwendigste kaufen.

Essen & Trinken

In beinahe jedem Restaurant gab es die Hälfte der Gerichte auf der Karte nicht – es gibt das, was eben zu bekommen und nicht allzu teuer ist: Mit frischem Fisch fährt man am besten, doch auch hier kann es vorkommen, dass es mal keine Brasse gibt sondern eben das, was an diesem Tag gefangen wurde. Das kapverdische Nationalgericht nennt sich Cachupa und besteht aus Mais, Bohnen und Gemüse und wird je nachdem, was gerade zu haben ist, manchmal auch mit Fisch, Fleisch oder Ei serviert und ist eigentlich immer zu bekommen. An den zahlreichen Straßenständen und Märkten wird frisches Obst und Gemüse verkauft und kann bedenkenlos – nachdem man es geschält und/oder mit Trinkwasser (!) gewaschen hat – verzehrt werden. Thunfisch ist immer eine gute Wahl und frischer bekommt man ihn nirgends. Hält man sich gerade am Strand oder im Meernähe auf kann man den ganzen Tag bunt bemalte Fischerboote beobachten, die emsig aufbrechen und mit kiloweise frischem Fisch zurück kommen, der dann an die umliegenden Restaurants und Händler verkauft wird. Übrigens – falls Du gerade anwesend bist, wenn ein Fischer zurück kommt, wird zumindest in kleinen Dörfern und Städten erwartet, dass Du mithilfst das Boot an Land zu ziehen! Es ist üblich dort dass alle zusammenhelfen. Also verdiene Dir Dein Foto indem Du mit hinlangst 😉

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In jeder größeren Stadt gibt es eine Markthalle
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Alle für Einen – hier sieht man wie alle zusammenhelfen um die ankommenden Fischerboote an Land zu ziehen

 

Fortbewegung & (touristische) Infrastruktur

Am besten lassen sich die Inseln erkunden indem man sich einen Mietwagen oder ein Taxi nimmt (sofern man nicht geführte Tagestouren in Anspruch nimmt). Wir sind gerne auf eigene Faust unterwegs und damit fiel die Wahl auf ersteres. Die Straßen sind sehr unterschiedlich, mal in perfektem Zustand, mal holperiges Kopfsteinpflaster oder erdige Pisten. Sammeltaxis, genannt Aluguers, sind das von den Einheimischen bevorzugte Fortbewegungsmittel und sehr günstig, allerdings dauert so das Vorankommen natürlich auch länger. Touristen haben wir außer auf Sal kaum angetroffen. Das ist vermutlich dem Umstand geschuldet, dass Kap Verde nicht das typische Reiseziel ist. Es gibt schon den ein oder anderen Sandstrand, aber erstens sind sie oft umständlich zu erreichen oder man kann dort auf Grund von Strömungen oder starkem Wellengang nicht gut baden. Zweitens gibt es meist keine Bars, Restaurants, Souvenierläden oder was sonst so den typischen Touristen erfreut und die fehlende Unterhaltung lässt viele Abstand nehmen von so einer Reise. Wir haben viele verlassene Hotels gesehen, teilweise waren ganze Gemeinden, in denen mal angefangen wurde etwas für den Tourismus zu tun, menschenleer. Das muss man also wissen wenn man auf die Inseln reist um nicht eventuell enttäuscht zu werden. Auch sollte man nach Möglichkeit nicht krank werden. Die medizinische Versorgung ist schlecht bis nicht vorhanden, je nach Erkrankung muss man nach Sal, wo es mittlerweile ein relativ modernes Krankenhaus gibt, oder auf die Kanaren oder das afrikanische Festland geflogen werden.

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Eine der besseren Straßen auf Santiago – die war für unseren Clio gut machbar
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Menschenleere Sandstrände gibt es, man muss sie nur finden

Unsere Route

Drei der neun bewohnten Inseln haben wir während unserer zweiwöchigen Reise besucht. Wir landeten in Praia, Kap Verdens Hauptstadt, auf Santiago, reisten nach fünf Tagen weiter nach Sao Vicente und von dort für die letzten beiden Tage nach Sal. Alle drei Inseln waren absolut unterschiedlich. Während Santiago sehr afrikanisch ist und am wenigsten an Europa erinnert, ist Sao Vicente und vor allem die Stadt Mindelo eher portugiesisch angehaucht und auch ein wenig mehr auf Touristen ausgelegt. Sal wiederum ist die un-kapverdischste der Inseln – flach, sandig, windig und extrem touristisch. Hier kann auch überall mit Euro bezahlt werden, meist zu dem Wechselkurs 1 Euro = 100 Escudos (was bei kleinen Beträgen nicht sooo viel ausmacht). Wenn Du also von Sal aus nach Hause fliegst lass Dir am besten, sofern du Escudos besitzt, Dein Wechselgeld in Euro geben, so vermeidest Du teures und zeitaufwendiges Rücktauschen am Flughafen. Auf Santiago werden eigentlich nur Escudos angenommen, auf Sao Vicente ist es unterschiedlich aber auch hier wird die Landeswährung bevorzugt.

Die Inseln wechselten wir mittels Inlandflügen. Dazu sei gesagt, dass auch an Flughäfen das kapverdische Motto „No stress“ gelebt wird – stell Dich also schon bei der Einreise darauf ein, dass Du etwas Zeit in der Warteschlange vor der Visumsausgabe verbringen wirst. Die Sicherheits – und Passkontrollen werden extrem gründlich durchgeführt und einmal wurden wir auch vom Zoll noch bevor wir einchecken konnten in ein Nebenzimmer geleitet, in welchem unser Gepäck penibel durchsucht wurde. Rauchern sei gesagt: Feuerzeuge sind an Bord absolut und strikt verboten. Anders als auf allen bisherigen Flügen ist hier nicht mal ein Feuerzeug (oder Streichhölzer!) pro Person gestattet und glaub mir – sie finden sie immer! Ein ausgebuffter Besitzer eines Souvenierladens am Flughafen von Sal hatte allerdings die geniale Idee, gegen ein kleines Trinkgeld Feuerzeuge zu „vermieten“,  sodass nach den Kontrollen Raucher nicht in Panik verfallen müssen 😉 Kein einziger unserer Flüge startete pünktlich, was allerdings nur auf der Heimreise ein Problem war, denn wir hatten nur eine Stunde Zeit um in Lissabon umzusteigen. Durch den verspäteten Abflug von Sal wurde das dann wirklich knapp und artete in ein kleines Wettrennen aus – soviel zu „No stress“ 😉

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Diese tolle Bucht lag direkt am Flughafen auf Sao Vicente. Flugzeuge stören gar nicht – der Flughafen ist nicht besonders stark frequentiert

Mit diesem Überblick solltest Du nun für die kommenden Artikel gewappnet sein und schon einen ersten Eindruck erhalten haben, ob die Kapverden für Dich als Reiseziel in Frage kommen oder nicht. In den nächsten Tagen werden hier die ausführlichen Berichte über unsere Erlebnisse und Entdeckungen erscheinen. Wenn Du noch Fragen hast – her damit in den Kommentaren!

 


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