Bozen und eine unerwartete Entdeckung

Es ist jetzt ein paar Wochen her, da war ich mit einer Freundin für ein verlängertes Wochenende in Südtirol. Genauer gesagt: In Bozen, der Hauptstadt Südtirols. Und in Bozen sind Dinge passiert, die so nicht ganz geplant waren. Aber sie haben den kleinen Ausflug ganz unvergesslich für uns gemacht.

Ursprünglich hatten wir einfach nur vor, ein typisches Mädlswochenende mit Shopping, gutem Essen und ein bisschen Vino zu verbringen. Haben wir auch. Dafür ist Bozen ja geradezu prädestiniert. Durch die zahllosen kleinen Gassen mit den endlos aneinander gereihten Läden lässt es sich prima flanieren und man hat rechts und links immer was zu schauen. Dabei wird man zeitweise auch gut unterhalten, denn manche Boutiquen stellen in ihren Schaufenstern wirklich Dinge aus, wo man sich einfach nur fragt wer zum Henker DAFÜR Geld ausgibt, und dann auch noch SO VIEL! Eine Vielzahl von kleinen und großen Restaurants, Cafés und Bars machen einem die Entscheidung, wo man sich niederlässt, nicht ganz einfach. Je weiter man sich vom Walther-Platz mit seinem Maria-Himmelfahrt Dom entfernt, umso preiswerter gestaltet sich die Speisekarte. Auf unseren Streifzügen durch die schönen Gassen entdeckten wir eine absolut geniale Bar mit Namen „Fischbänke“. Erst bei unserem zweiten Besuch kam mir die Erleuchtung, woher der Name stammt: Im Außenbereich besteht ein Großteil der Tische aus den alten Fischbänken, auf denen früher, wenn Markttag war, die Fische ausgelegt wurden. Rundherum hat der Besitzer eine kleine Oase aus bunten Lampions, farbenfrohen Schirmchen, selbst gestalteten Schildern mit weisen und lustigen Sprüchen auf italienisch und deutsch und einer lockeren, total familiären Atmosphäre geschaffen. Und – es gibt dort eine absolut geniale Käseplatte zum Wein! Unbedingt empfehlenswert! Du findest diese kleine Wohlfühlzone in der Dr.-Streiter-Gasse 28.

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Unser ungeplantes Highlight dieses Trips war allerdings etwas ganz anderes. Und wir erlebten es nichtmal in Bozen – sondern in Oberbozen. Bozen und Oberbozen sind verbunden durch die Rittner-Seilbahn, denn Soprabolzano, wie das Örtchen auf italienisch heißt, liegt auf 1221 Metern Höhe. Vom Balkon unseres miefigen, an einer gut befahrenen Bahnstrecke gelegenen Apartments konnten wir die Gondeln rauf und runter fahren sehen und beschlossen eines weinseligen Abends, am nächsten morgen mal zu erkunden, was es dort oben so zu sehen gibt. Wir kauften uns also ein Hin – und Rückfahrtticket (im Nachhinen stellte sich heraus, dass wir uns 8 Euro hätten sparen können: Die Einzelfahrt kostet 6 Euro, ein Kombi-Ticket 10) und machten es uns bequem. Schon beim Hochfahren bot sich uns eine tolle Aussicht auf Bozen und die umliegenden Weinberge und Wälder. Oben angekommen, entdeckten wir eine Tafel mit Wanderwegen und Sehenswürdigkeiten. Da es ein schöner Tag war und wir zum Glück bequeme Schuhe angezogen hatten, beschlossen wir, einen kleinen Wanderweg mit dem Ziel „Erdpyramiden“ zu erkunden. Was wir uns darunter vorzustellen hatten, wussten wir nicht, aber da uns auch eine Verkäuferin in einem kleinen Laden die Wanderung empfahl, machten wir uns auf die Socken. Frohen Mutes folgten wir den Wegweisern und bestaunten untwegs das schöne Bergpanorama und die schönen Höfe, Wälder und Felder. Durch ein kleines Waldstück und an einer großen Pferdekoppel vorbei ging es leicht bergab. Wir stießen auf einen Rastplatz samt Tisch und Bänken, der förmlich danach schrie, sich hier hinzusetzen und die gute Luft und die Stille zu genießen. Erstaunlicherweise trafen wir auf dem gesamten Weg keine Menschenseele. Noch während wir uns dem Rastplatz näherten, sahen wir durch die Bäume etwas rötlich blitzen. Neugierig näherten wir uns – und hatten plötzlich von unserer Anhöhe aus einen fantastischen Blick auf die sogenannten Erdpyramiden. Dabei handelt es sich um ca. 25 000 Jahre alte Hügel aus aufgeschüttetem Lehm mit einem Felsbrocken auf den Spitzen. Von der Existenz eines solchen Naturwunders hatte ich bis dahin noch nie gehört und wir waren mehr als begeistert von diesem ungewöhnlichen Anblick. Aber sieh‘ selbst:

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Phänomenal, oder? Sobald einer der Hügel seinen Felsbrocken verliert, verschwindet über kurz oder lang durch Regen auch der Hügel selbst – aber es entstehen auch immer wieder neue Pyramiden, sodass wir diese Wunder der Natur hoffentlich noch lange bestaunen können.

Da wir für die Wanderung weniger als die auf den Wegweisern veranschlagten 30 Minuten gebraucht hatten, stellten wir auch die Zeitangabe für den Fußweg zurück nach Bozen in Frage und beschlossen, den Rückweg spazierend anzutreten anstatt wieder hoch zur Seilbahnstation zu laufen. Und was soll ich sagen? Wir sind nun wirklich keine Sportskanonen und auch definitiv keine geübten Wanderer. Deshalb litten wir nach einer Weile ziemlich unter den anfangs nur ein wenig, später aber immer steiler werdenen Wegen. Wir rutschten Kieswege bergab und stolperten über Schutt und Wurzeln. Als wir schließlich geteerte Straßen erreichten, waren wir zunächst überglücklich – um dann festzustellen, dass es jenseits der schattenspendenden Bäume ganz schön heiß geworden war. Zudem wurde die Straße, auf der wir nun gehen mussten, immer steiler und schlängelte sich Kurve um Kurve abwärts. Natürlich hatten wir auch nicht genug zu trinken dabei. Uns immer wieder gegenseitig aufbauend mit Sätzen wie „Schau mal zurück, wir haben eh schon viel geschafft“, „Guck, Bozen schaut gar nicht mehr so klein aus“ und „Aber so ein bisschen wandern ist ja eigentlich schon schön“ stapften wir also weiter und weiter und mussten immer mehr über uns selbst lachen. Entschädigt wurden wir dafür mit einer wunderbaren Landschaft und einem weiten Blick über Bozen und die Berge. Schließlich kamen wir durch Weinberge und kleine Dörfchen und fingen an, unseren ungeplanten kleinen Auflug zu genießen. Uns taten zwar am Abend die Beine, Knie und Rücken weh und auch die ein oder andere Blase hatte es sich an unseren Füßen bequem gemacht, aber dafür konnten wir in dieser Nacht wenigstens mal richtig gut schlafen, trotz des immensen Lärms rund um unser Apartment. Rückblickend war diese ungeplante Wanderung unser absolutes Highlight und wir lachen immer noch über uns – und erfreuen uns gleichzeitig an den schönen Orten und Plätzen, die wir entdeckt haben.

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Am nächsten Tag wollten wir es etwas ruhig angehen lassen und uns noch Schloss Runkelstein ansehen, das nicht weit entfernt von der Innenstadt gut zu Fuß entlang des Flusses erreichbar ist. Ein kurzer Spaziergang, so hieß es. Ach, das können wir laufen…Das Ende vom Lied? Vom Vortag noch geschädigt, erreichten wir nach einem langen Fußmarsch in der Mittagshitze und einem recht steilen, aber kurzen Aufstieg Schloss Runkelstein, wo wir erstmal im Schlossrestaurant, das ich an dieser Stelle wirklich lobend erwähnen muss, unsere jetzt noch mehr schmerzenden Beine ausruhten und uns schonmal mental auf den Abstieg vorbereiteten. Und man möchte es nicht glauben, aber die Kellnerin erzählte uns dann von einem kostenfreien Shuttlebus vom Waltherplatz bis zum Schloss. Hm. Wussten wir nicht. Wir beschlossen nun, für den Rückweg dann den Bus zu nehmen (was wir natürlich dann doch nicht gemacht haben – denn jetzt war es auch schon egal 😉 ) und besichtigten das Schloss, welches eigentlich eine Burg ist, das mit mehrere hundert Jahre alten Wandmalereien wirbt. Die Anlage ist auch wirklich hübsch und auch die Fresken waren schön anzusehen. Aber ich fand 8 Euro doch recht viel für die wenigen Räume, die man besichtigen kann. Ein Ausflug zur Burg lohnt aber dennoch, alleine schon wegen der schönen Strecke entlang des Flusses, des wunderschönen Anblicks der sich in den Berg schmiegenden Burg und der Anlage an sich, von der man auch ohne den Eintritt zahlen zu müssen viel sehen kann.

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Alles in Allem entwickelte sich unser Kurztrip zwar anders als gedacht, doch ich bin darüber sehr froh. Der Anblick der Erdpyramiden lohnt allemal und Bozen an sich ist einfach ein nettes kleines Städtchen in dem es sich gut aushalten lässt. Für ein verlängertes Wochenende also definitiv zu empfehlen und ein ganz klein wenig hat dieser Urlaub mir auch wieder Lust auf wandern gemacht 🙂

 


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