Straßburg – Großstadtidyll mit Mittelalterflair

Diese direkt an der deutsch-französischen Grenze liegende kleine Stadt im Elsass macht es einem wirklich leicht, sich in sie zu verlieben. Knapp vier Tage habe ich dort verbracht und schon in den ersten Minuten hat Straßburg es geschafft, mich restlos zu begeistern.

Und das lag nicht zuletzt an den wunderhübschen alten Fachwerkhäusern, die so charakteristisch für das ehemalige Gerberviertel „La Petite France“ sind. Im Mittelalter ein unbeliebter und düsterer Ort, ist das pittoreske Altstadtviertel heute ein beliebter und bekannter Touristenmagnet. Vollkommen nachvollziehbar, denn die vielen verwinkelten Gassen mit den gut erhaltenen, bunten Fachwerkhäusern sorgen zusammen mit den mit wunderbar duftenden Blumen bepflanzten kleinen Brücken für einen malerischen Anblick. Wenn wir morgens auf der Suche nach einem Café durch La Petite France schlenderten, trafen wir auf sehr wenig andere Menschen. Die meisten Restaurants, Bars und Läden öffnen wohl ein wenig später und so konnten wir den schönen Anblick weitestgehend ungestört genießen. Ständig hatte ich das Gefühl, dass gleich die Fensterläden aufgestoßen werden und uns ein strahlendes Gesicht ein „Bonjour“ entgegensingt, ganz wie in Disney´s „Die Schöne und das Biest“.

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Überhaupt verläuft sich der Touristenstrom in den Gassen ziemlich. Größer Gruppen trafen wir nur auf dem Weg von unserer Unterkunft in die Altstadt auf den „Ponts Couverts“, den „Gedeckten Brücken“, die diesen Namen noch immer tragen auch wenn ihre Überdachung längst nicht mehr vorhanden ist, an. Vom gegenüberliegenden Vauban-Wehr aus, dessen Panoramaterrasse man gratis erklimmen kann, hat man den besten Blick auf die berühmte Brücke mit ihren vier Türmen sowie einen Teil des dahinterliegenden Viertels „Petite France“.

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Auch der „Place Kléber“ empfing uns mit schönen alten Gebäuden und großen, bodentiefen Wasserbecken, in denen sich Kinder lachen abkühlten. Das und ein paar Marktstände mit alten Büchern haben gereicht um mich schon wieder Auswanderungspläne schmieden zu lassen.

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Ein wenig touristischer geht es dann auf dem „Place de la Cathédrale“ zu, dem großen Vorplatz des Straßburger Münsters. Gesäumt von Restaurants, Souvenierläden, Bars, Eisdielen und natürlich auch Fachwerkhäusern – allen voran das älteste überhaupt, das „Maison Kammerzell“ – wimmelt es auf diesem Platz von Menschen. Das im romanisch – gotischen Stil erbaute Wahrzeichen Straßburgs ist aber auch ein fantastischer Anblick. Auf der Südseite des Münsters befindet sich der Kartenverkauf zur Besteigung der Turmplattform. Für schlappe 5 Euro kann man Straßburg aus 66 Metern Höhe betrachten und dann auf der Nordseite der Kathedrale wieder absteigen. Der Ausblick ist tatsächlich sehr schön, vor allem auf den „Palais Rohan“, welcher heute drei Museen beherbergt, allerdings finde ich den Preis dafür ziemlich hoch. Viel beeindruckender fand ich außerdem das Innere des Münsters. Die imposanten Bleiglasfenster, die astronomische Uhr und die riesige Hauptorgel sind das Anstehen und die Sicherheitskontrollen definitiv wert.

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Auf unseren Streifzügen durch die Gassen rund um die Kathedrale stießen wir auf einen kleinen Platz, der ringsrum gesäumt war von Bars und Restaurants. Hier treffen wenige Touristen auf viele Einheimische und man kann bei einem leckeren Abendessen oder einem Cocktail den Tag entspannt ausklingen lassen. Ich nehme an, dass nicht erwähnt werden muss dass wir diesen Platz mehr als einmal aufgesucht haben ;-). Du findest ihn hier

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Nach dem vielen Laufen beschlossen wir, eine kleine Rast in dem kleinen Park an der „Place de la Republique“ einzulegen. Diese grüne Oase befindet sich jenseits der Ill und ist, wie übrigens alles andere in Straßburg, bequem mit der Trambahn zu erreichen, falls einen die müden Füße um eine kleine Pause anflehen. Bepflanzt mit hübschen Blumen und umgeben von prächtigen Bauwerken lässt es sich hier prima im Schatten eines der großen Bäume ein wenig entspannen – in der Theorie.

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Da uns nämlich das Techno-Gedudel aus dem Ghettoblaster eines jungen Mannes ein wenig nervte, beschlossen wir, die Örtlichkeit zu wechseln und machten uns, ebenfalls mit der Tram, auf den Weg zum „Parc de l´Orangerie“, der sich unweit des Europaparlaments, des Europarats und dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte befindet. Wir Banausen ließen besagte Institutionen allerdings fotolos hinter uns und widmeten uns dem weitläufigen Park. Anfangs eher unscheinbar, entwickelte er sich allerdings je weiter wir gingen zu einem kleinen Highlight. Zuerst begeisterten uns die großen Storchennester samt Bewohnern, dann ein kleiner Zoo. Kostenlos kann man hier ein paar wenige Tiere in hübschen Gehegen beobachten, darunter sogar ein Känguru. Auch ein großes Bowlingcenter gibt es sowie einen kleinen See, den man mit Ruderbooten befahren kann. Hier dürfte für jeden etwas dabei sein und ich kann einen Besuch des Parks unbedingt empfehlen.

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Weil wir so begeistert von Straßburgs Parks waren, wollten wir am nächsten Tag unbedingt den botanischen Garten erkunden. Da wir an der falschen Haltestelle ausgestiegen sind mussten wir erst einmal um das komplette große Gelände herumlaufen – um dann festzustellen, dass der Garten wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war. Ziellos drauf los latschen kann eben doch auch mal in die Hose gehen. Aber es war nicht ganz umsonst, denn was wir von außen gesehen haben und die schönen Häuser rings herum entschädigten uns wenigstens ein bisschen für den langen Fußmarsch.
Auf unserer Erkundungstour stießen wir auch auf ein paar Kirchen, die wir auf Grund des wechselhaften Wetters auch von innen besichtigten. Dabei entdeckten wir eine evangelische Kirche die – zumindest für mich – so im Nachhinein ein echtes Highlight darstellte. Von außen nicht viel anders als alle anderen Kirchen, überraschte sie mit einem ganz bezaubernden Inneren. Zwar sind die Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert teilweise schon sehr verblasst und es gibt auch keine pompösen Bleiglasfenster. Allerdings versteckt sich im hinteren Teil der Kirche ein kleiner, ruhiger Innenhof samt Säulengang. Nur wenige Menschen hatten sich hier her verirrt und so herrschte dort eine wohltuende Ruhe. Auch eine kleine Krypta kann besichtigt werden. Dieser unscheinbare Ort hat uns wirklich sehr überrascht und wir waren sehr froh, ihn durch Zufall entdeckt zu haben. Wenn Du also mal eine Pause vom Kopfsteinpflaster brauchst und Dir ein wenig Ruhe gönnen möchtest, kann ich Dir die Kirche „Saint-Pierre-le-Jeune“ auf jeden Fall empfehlen. Hier habe ich auch gerne eine kleine Spende zur Erhaltung dieses Kleinods gegeben. Du findest sie in der „Rue de la Nuee-Bleue“, die am nächsten gelegene Trambahnstation ist „Broglie“.

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Immer wieder erheiterten uns die elsässischen Übersetzungen der Straßennamen, die man auf den meisten Schildern findet und durch die einem die Nähe zu Deutschland und auch der Teil der gemeinsamen Geschichte nochmal so richtig bewusst wird.

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Natürlich besteht Straßburg nicht nur aus alten Fachwerkhäusern und Kathedralen. Historisches wird hier mit Modernem aber in einem angenehmen Maß vereint und hässliche Glaskästen findet man in der Altstadt, die im Übrigen 1988 komplett zum Weltkulturerbe erklärt wurde, zum Glück nicht. Der Hauptbahnhof zum Beispiel, der denkmalgeschützt ist, wurde vor einigen Jahren mit einer gewölbten Glaswand versehen, durch die man das historische Bahnhofsgebäude sehen kann und musste so glücklicherweise nicht komplett einem Stahl-Beton-Konstrukt weichen.

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Die „europäische Hauptstadt“ hat mir sehr gut gefallen und man fühlt sich dort einfach wohl. Alle Einheimischen, mit denen wir zu tun hatten, waren freundlich und hilfsbereit. Ich kann im Nachhinein gar nicht mehr verstehen, warum ich die vier – bis fünfstündige Autofahrt von München nach Straßburg nicht viel früher in Angriff genommen habe um in diesem bezaubernden Städtchen einen Flammkuchen zu genießen und das wunderschöne Flair auf mich wirken zu lassen!

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