Kanchanaburi und Die Brücke am Kwai

Den Roman oder den Film „Die Brücke am Kwai“ kennen wohl die meisten Menschen. Ungefähr 130 Kilometer entfernt von Bangkok kann man das berühmte Bauwerk beschreiten – in Kanchanaburi, der letzten Station unseres Roadtrips.

Unser letzter Stop auf unserem Roadtrip durch Thailand führte uns nach Kanchanaburi, hauptsächlich wegen der berühmten Brücke, die den  Mae Nam Khwae Yai überquert und durch seine traurige Geschichte weltbekannt wurde.

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Kriegsgefangene wurden unter unmenschlichen Bedingungen gezwungen, besagte Brücke im Zusammenhang mit der Eisenbahnverbindung zwischen Thailand und Burma zu erbauen um für die japanischen Besatzer eine schnellere Versorgung mit Nachschub zu ermöglichen. Viele tausende Männer verloren dabei ihr Leben, sodass die Strecke irgendwann den unschönen Namen Death Railway erhielt. Zusammen mit dem Hellfire Pass zieht die Brücke täglich viele Touristen an, die scheinbar keinen Gedanken an die fürchterliche Entstehungsgeschichte dieser Sehenswürdigkeit verschwenden. Fröhlich lachend hüpfen Schulklassen über die Gleise, die nicht abgesperrt sind.

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Selfies werden geschossen und Picknicks veranstaltet, es herrscht im Gegensatz zu anderen Mahnmalen eine ausgelassene Stimmung. Alles wartet auf den Zug, der ein paar Mal am Tag die Death Railway entlang fährt und ein wahres Spektakel darstellt. Das Getümmel auf der Stahl-Beton-Konstruktion war uns ein wenig zu viel und auf den Platz vor der Brücke mit seinen Marktständen, an denen es für uns nichts neues oder originelles gab, zog es uns auch nicht wirklich. Also begaben wir uns auf die andere Seite, wo uns eine äußerst bunte chinesische Tempelanlage die Wartezeit auf den Zug verkürzte.

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Schon aus der Ferne ist die riesige weiße Statue am Flussufer zu erkennen und stellt die Brücke ein wenig in den Hintergrund. Besonders spektakulär sieht sie auch nicht aus, die Brücke. Es ist ihre Berühmtheit und der historische Hintergrund, der Touristen anzieht. Es war bemerkenswert wenig los am anderen Flussufer und so wandelten wir ungestört eine Weile über die schöne Tempelanlage. Ein kleiner Bogengang, gesäumt von Figuren der zwölf chinesischen Tierkreiszeichen und diverse kitschige künstliche Wasserfälle oder Seerosen erinnerten uns, wie schon auf Koh Kret, an eine Themenwelt des Europaparks.

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Blechern klingende Musik aus alten Lautsprechern wurde immer lauter, je mehr wir uns der alten chinesischen Gedenkstätte für gefallene Soldaten näherten.

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Zurück auf der Brücke suchten wir uns einen Platz in einer der Ausbuchtungen und warteten auf den Zug. Sehr langsam und vollbesetzt mit Einheimischen und Touristen schnaufte er schließlich an uns vorbei. Uns hat das nun nicht von den Socken gehauen, aber da wir schon nicht mit der Eisenbahn fahren wollten, wollten wir uns wenigstens mit eigenen Augen davon überzeugen, dass es sie tatsächlich gibt 😉

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Die restliche Zeit unseres Aufenthalts widmeten wir Kanchanaburi. Und ganz ehrlich – auf meiner Favoriten-Liste belegt dieses Örtchen den letzten Platz. Im Ort selbst gibt es außer Hotels, Bars und den üblichen Nachtmarkt nicht viel zu sehen, abgesehen von dem Kriegsmuseum und dem großen Soldatenfriedhof. Die Menschen um die Stände direkt an der Brücke waren – im Gegensatz zu unseren bisherigen Erfahrungen – nicht wirklich freundlich. Wahrscheinlich vom Massentourismus einfach gesättigt. Wir suchten uns unser Abendessen auf dem Nachtmarkt zusammen und endeten schließlich ungeplant in einer recht gemütlichen Bar. Gegenüber der Bar, in der wir die einzigen Gäste waren, befand sich ein kleiner Stand mit dem lockenden Schriftzug „Get drunk for 10 Baht“. Wie qualitativ hochwertig die Drinks sein können, wenn sie umgerechnet nur ca 25 Cent  kosten,kann man erahnen. Auf dieser kurzen Amüsiermeile war bedauernswert wenig los, abgesehen von der Dorfjugend, die mit ihren Rollern sehr knapp an uns vorbei bretterten und dabei unverschämt lachten. Es hielt uns also nicht lange dort und so traten wir den Rückweg zu unserer kleinen Bungalow-Anlage direkt am Fluss an, nicht ohne von einigen Straßenhunden beinahe zu Tode erschreckt worden zu sein, um bei ein paar Singha am Pool den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

Wir traten am nächsten Morgen den Rückweg nach Bangkok relativ früh und – zumindest ich – auch teils erleichtert an, denn besonders wohl fühlte ich mich in Kanchanaburi nicht. Abgesehen von der Brücke, dem chinesischen Tempel und dem Nachtmarkt, auf dem wir so ziemlich die einzigen Touristen waren (klar, der befindet sich auch nicht direkt neben den Hotels am Fluss sondern hinter der zweiten großen Parallelstraße) , gab es in Kanchanaburi für mich nichts sehenswertes. Der Ort kommt mir sehr touristisch vor und hat mit dem, was wir vom restlichen Thailand gesehen haben, nicht viel gemeinsam. Allerdings haben wir die Umgebung auch nicht weiter erkundet. Der Erawan-Nationalpark befindet sich ganz in der Nähe und soll sehr schön sein, aber die letzten Tage wollten wir ein wenig entspannter angehen und unser Bedarf an Nationalparks war mit dem           Khao Yai Park für diesen Urlaub gedeckt. Bei meinem nächsten Aufenthalt in Thailand steht er allerdings auf meiner Wunschliste 😉

Fazit

Für einen Tagesausflug, um die Brücke und eventuell den Hellfire Pass, wo man teils noch in den Felsen steckende Werkzeuge der bedauernswerten Zwangsarbeiter vorfindet, und für Geschichtsinteressierte, die die Museen besichtigen möchten lohnt es sich auf alle Fälle, nach Kanchanaburi zu kommen. Für mich persönlich hätte ein Tag vollkommen ausgereicht – und gegen Chiang Mai kann es leider nicht anstinken 😉

 

 

 


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