Chiang Mai – Die Rose des Nordens

Unseren vorletzten und gleichzeitig nördlichsten Stop auf unserem Roadtrip durch Thailand haben wir in Chiang Mai eingelegt – und die Stadt hat sich klammheimlich auf meiner Favoriten-Liste auf Platz eins eingenistet.

Chiang Mai ist wesentlich entspannter, aufgeräumter und ruhiger als Bangkok. Ich hatte den Eindruck, dass die ganze Stadt viel bunter ist als Thailands Hauptstadt, möglicherweise weil es in Chiang Mai deutlich weniger Verkehr gibt, der mit seinen Abgasen die Fassaden ergrauen lassen könnte.  Hier sind wir nach der vielen Fahrerei mal ein wenig zur Ruhe gekommen. Auch wenn die Ankunft in Chiang Mai etwas…nun ja, sagen wir, skurril, war.

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Was den einfachen Grund hatte, dass wir viel zu früh aus dem Khao Yai Nationalpark aufgebrochen sind. Um zwei Uhr morgens kamen wir im Hotel an. Leider war es komplett ausgebucht und unsere Zimmer erst am nächsten morgen frei. Wir müssen einen mitleiderregenden Anblick geboten haben, denn der Rezeptionist des Hotels bot uns an, im Lesezimmer am Pool zu schlafen, das über zwei Sofas verfügte. Zu dritt teilten wir uns also das Lesezimmer, der Vierte schlief im Auto auf dem Hotelparkplatz. Nach einer unruhigen und kurzen Nacht wurden wir um sieben Uhr morgens von der Putzfrau geweckt, die versuchte, in den Raum zu kommen. Als sie bemerkte, dass wir da waren, ließ sie uns aber noch ein wenig weiterschlafen. Es entbrannte allerdings eine kurze,  aber hitzige Debatte über die Klimaanlage (nichts gravierendes, die übliche Morgenmuffeligkeit nach einer viel zu kurzen Nacht 😉 ) und so standen wir dann doch auf. Allerdings waren natürlich unsere ganzen Sachen im Auto, wo ja noch Nummer vier schlief. Und so nahm die Skurrilität ihren Lauf. Mit Kaffee bewaffnet, den wir als Friedensangebot mitbrachten, weckten wir unseren schlafenden Freund – und damit halb Chiang Mai. Schlaftrunken wollte er einfach die Tür öffnen, womit er die Alarmanlage auslöste. Meine Güte, ich hatte keine Ahnung, wie laut diese Dinger sind! Es dauerte ewig, bis er den Schlüssel fand um den Lärm abzustellen – wir weckten selbst den Nachbar-Hahn auf.

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Die Tage in Chiang Mai ließen wir eher ruhig angehen. Gemütlich sahen wir uns die ein oder andere Tempelanlage an und kauften ganz entspannt und ohne die üblichen aufdringlichen Händler ein paar Souvenirs und Mitbringsel. Besonders an den Marktständen des Wat Phra Singh wurden wir fündig . Innerhalb Chiang Mais Stadtmauern versucht man, sich nicht komplett vom Tourismus überrennen zu lassen und bisher klappt das relativ gut. Die gesamte Atmosphäre ist ziemlich entspannt und das hat sich auch schnell auf uns übertragen. Wer dennoch auf der Suche nach Bespassung oder in Feierlaune ist wird natürlich auch in Chiang Mai fündig, allerdings außerhalb der Stadtmauern. Auf der Nimman Road, die durch eines der modernsten Viertel Chiang Mais verläuft, und ihren Nebenstraßen findest Du unzählige Bars, Restaurants und Läden.Es herrscht hier reges Treiben, in einem etwas kleineren Maßstab als auf der berühmten Khao San Road in Bangkok, was natürlich viele Touristen anzieht. Ein kurzer Besuch dort reichte uns allerdings, der sich aber auf Grund der Bananen-Crépes, die wir an einem mobilen Marktstand kauften, gelohnt hat.

In Chiang Mai kam ich auch endlich zu meiner lang ersehnten Thai-Massage. Nach den vielen Stunden im Auto war es wirklich eine Wohltat, den Rücken und die Gelenke wieder eingerenkt zu bekommen. Allen Freunden des Schoko-Bananen-Kuchens kann ich wärmstens das Café „The Tree Sis“ empfehlen (10 Inthawarowat Road)! Sehr nett eingerichtet, freundliche Kellner – perfekt um einfach ein bisschen zu genießen und die Seele baumeln zu lassen. Und um das Asien-Wohlfühlprogramm abzurunden, ließen sich die Jungs noch ihre Füße von den kleinen Fischchen generalüberholen. Ich nicht. Meine Füße haben sowas nicht nötig 😉 Ich habe lieber zugesehen und mich amüsiert über das Gekicher, das die Männer von sich gaben.

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Fährt man auf der San Kamphaeng Road in Richtung Osten erreicht man bei Kilometer 8  Bo Sang. Entlang der Straße befinden sich viele Souvenir – und Kunsthandwerkstände und wir wollten uns dieses Örtchen gerne ansehen. Allerdings sind wir entweder irgendwo falsch abgebogen oder, wahrscheinlicher, haben zu früh aufgegeben und sind umgedreht – deshalb kann ich Dir nichts darüber sagen 😉 Aber dafür haben wir einen Lebensmittelmarkt am Straßenrand entdeckt, den wohl noch nicht allzu viele Touristen heimgesucht haben, denn wir sind dort wirklich aufgefallen wie bunte Hunde. Die Menschen begrüßten uns unheimlich freundlich und wir wurden teilweise sogar umarmt. Jeder lächelte uns an und alle fanden uns offensichtlich unheimlich interessant. Wir deckten uns, nachdem wir uns genug über die schlafende Katze mitten auf einem Tisch, auf dem auch Lebensmittel verkauft wurden, amüsiert hatten, mit Köstlichkeiten und Singha-Bier ein und machten uns auf den Rückweg. Apropos, weißt Du, was es mit den vielen Eiern auf sich hat? Gibt es einfach nur viele davon, oder gelten sie dort als besonderes Schmankerl? Wir haben es nicht rausgefunden und uns ehrlicherweise nicht so recht getraut, welche zu kaufen – wer weiß, wie lange die da vielleicht schon in der Sonne liegen und ein Roadtrip mit verdorbenem Magen ist für keinen der Beteiligten schön 😉 Zwar waren wir nicht in Bo Sang und einen bunten Sonnenschirm hat sich auch keiner mit nach Hause genommen, aber der Besuch dieses total untouristischen Marktes war den Ausflug definitiv wert.

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Anders als in Ayutthaya wurden wir in Chiang Mai nicht dauernd von keifenden Straßenhunden überrascht. Stattdessen habe ich mich unsterblich in dieses kleine Kätzchen verliebt – mit Mühe und Not konnten mich die Anderen davon abhalten, sie einfach einzupacken und nach Deutschland zu schmuggeln.

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Wie überall in Thailand hat mich auch hier das Zusammenspiel aus Tradition bzw. Religion und Moderne beeindruckt. So haben wir zum Beispiel gesehen, wie Mönche auf ihrem morgendlichen Bettelgang die Menschen, die ihnen auf dem Weg zur Arbeit eine Spende in Form von Lebensmitteln brachten, segneten. In einem Tempel sahen wir, wie ein Mönch sich die Zeit bis zum nächsten Gebet mit einem Tablet vertrieb. Hier ist die Religion kein separater Teil des Lebens wie bei uns, sondern gehört einfach zum normalen Alltag dazu. Ich finde das sehr faszinierend, wo es doch bei uns so ganz anders ist.

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Rund um Chiang Mai gibt es viel Sehenswertes, zum Beispiel heiße Quellen oder Tempelanlagen. Nach den vielen Stunden im Auto war uns aber einfach nur danach, ein bisschen zu entspannen und uns zu erholen und auf Sightseeing hatte niemand mehr so richtig Lust. Bei meinem nächsten Besuch (und den wird es definitiv geben!) werde ich dann aber auch die Umgebung der Stadt erkunden. Und nochmal im Restaurant Henry vorbeischauen – das Kao Soi (Weizennudeln mit einem leckeren Kokos-Curry und Hähnchen), das für Chiang Mai typische Gericht, das jede Familie ein klein wenig anders zubereitet aber in den Grundzügen immer gleich ist, war wirklich lecker. Der Besitzer wirkt auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig, war aber sehr höflich zu uns und einfach ein…sagen wir mal, Original. Auf Trip Advisor hat er fürchterlich schlechte Bewertungen bekommen, allerdings waren wir zweimal dort und es ist überhaupt nichts vorgefallen und das Essen war wirklich ausgezeichnet. Ich erkläre es mir damit, dass nicht jeder mit der ruppigen Art zurecht kommt – aber eine Chance kann man dem Restaurant geben, alleine schon wegen des leckeren Kao Sois! Du findest es in der  Singharaja Road Ecke Ratchadamnoen Road.

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Ich habe mich in den wenigen Tagen, die wir hier verbrachten bevor es nach Kanchanaburi, dem letzten Stop auf unserem Roadtrip, ging, absolut in die Stadt verliebt und Chiang Mai war mein persönliches Highlight.


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