Der Khao Yai Nationalpark – Vorstellung vs. Realität

Nach unserem zweitägigen Aufenthalt in Ayutthaya machten wir uns auf zum Khao Yai Nationalpark. Wir wollten einen Tag im Dschungel verbringen und möglichst viele wildlebende Tiere beobachten. Wie naiv war das denn?

Wilde Elephanten und Tiger in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten – hört sich gut an, oder? Fanden wir auch. Für unseren Trip in den Dschungel suchten wir uns den Khao Yai Nationalpark aus, welcher der drittgrößte Park Thailands ist und verschiedenste Landschaften bietet. Flüsse, weite Graslandschaften, Wasserfälle, Regenwald – alles vertreten. Auch die Tierwelt gibt in der Theorie einiges her:72 verschiedene Säugetierarten sind hier beheimatet, daneben 358 Vogelarten. Krokodile und Schlangen sind hier ebenso anzutreffen wie verschiedene Spinnen – und Insektenarten. Klingt ganz fantastisch.

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Na wo sind sie denn, die Dschungelbewohner?

Am Vorabend suchten wir im Internet nach geführten Trekking-Touren durch den Urwald. Es wird davon abgeraten, die Straßen und gekennzeichneten Pfade zu verlassen und den Dschungel auf eigene Faust erkunden zu wollen. Gar nicht mal wegen der gefährlichen wilden Tiere, sondern eher damit sich der unwissende Besucher nicht im Dickicht verirrt oder aus Unachtsamkeit irgendetwas zerstört. Auch wir wollten lieber nichts aufschrecken, was lieber ungestört geblieben wäre. Daher schickten wir einem Anbieter solcher Touren eine Anfrage für den nächsten Tag. Als am morgen noch keine Antwort kam, beschlossen wir auf gut Glück loszufahren – es war erst fünf Uhr früh und wir hatten die Hoffnung, dass wir vielleicht eine Nachricht erhielten bis wir am Nationalpark angekommen sind. Allerdings war dem leider nicht so. Wir erreichten den Nationalpark gegen acht Uhr – und trafen auf eine nicht unerhebliche Zahl von Campern.

Ein Picknick im Grünen

Und uns wurde bewusst: Es war der 1. Januar. Ein Feiertag. Und was machen Thai gerne an Feiertagen oder in den Ferien? Genau, sie fahren raus in’s Grüne. So kam es, dass unglaubliche viele Familien ihr Zelt und ihren Picknickkorb packten und für eine Nacht den Nationalpark heimsuchten. Das war im Übrigen auch der Grund, warum es mit der geführten Tour nicht klappte – als wir nach diesem Tag im Nationalpark am nächsten Tag in Chiang Mai wieder über Internet verfügten, erreichte uns die E-Mail des Tour-Veranstalters in der er uns mitteilte, dass an Feiertagen keine Touren angeboten würden, da das Besucheraufkommen einfach zu groß sei um auch wirklich auf eine erfolgreiche Safari zu gehen. Hm. Haben wir nicht dran gedacht.

Auf Entdeckungstour

Wir fuhren also eine zeitlang einfach der Nase nach. Nach einer Weile entdeckten wir einen Aussichtspunkt, der ein spektakulären Panorama bot. Hier merkten wir, wie frisch es eigentlich war – das Klima in Bergnähe unterscheidet sich doch ein wenig von dem im Flachland. Aber zum Glück hatten wir uns vorher informiert und standen nicht in kurzen Hosen und T-Shirt da. So gondelten wir noch eine Weile der Straße nach und hielten an verschiedenen Stellen, an denen uns die Landschaft gefiel.

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Die Sankamphaeng-Bergkette trägt maßgeblich zu bemerkenswerten Aussichten bei
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Eine große Straße führt durch den Nationalpark…
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… aber es lohnt sich, hin und wieder anzuhalten und die Landschaft zu bewundern

Die Geräuschkulisse war wirklich phänomenal – der perfekte Hintergrundsound für einen Tag im Dschungel! So kennen wir das nur aus Lautsprechern in Zoos und es war wahrlich erfurchtgebietend, den unverfälschten Klängen des Regenwalds zu lauschen. Dreh den Ton auf, wenn Du das folgende Video anschaust – ein bisschen Urwaldfeeling für daheim.

Die Urheber dieser musikalischen Untermalung haben wir allerdings nicht zu sehen bekommen – generell fragte ich mich die ganze Zeit, wie viele Augenpaare uns wohl beobachteten, ohne dass wir es bemerkten. Aber ab und an sind uns kleine tierische Waldbewohner über den Weg gelaufen – Makaken. Da sich offensichtlich ein Großteil der Besucher tatsächlich an das Verbot, die Affen zu füttern,hält, haben diese dem Menschen gegenüber noch eine gewisse Scheu. Und das ist auch gut so. Zum einen ist unser Essen für sie äußerst ungesund, zum anderen bewahrt diese Scheu sie davor, überfahren oder eingefangen zu werden.

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Zwar näherte man sich uns, ein gewisser Sicherheitsabstand wurde aber immer eingehalten

Abgesehen von den Affen haben wir allerdings keine spektakulären Sichtungen gehabt – in weiter Ferne einmal Rotwild, viele hübsche Schmetterlinge, seltsame Riesen-Raupen und ansonsten, als wir uns einmal ein paar Meterchen in den Wald gewagt haben – Spinnen. Oh man. Ich hab’s wirklich nicht so mit den achtbeinigen Tierchen, aber ausgerechnet davon habe ich echt viele gesehen – teilweise konnte ich mich gerade noch unter einem Netz durch ducken.

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Kannst Du sie sehen?
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Was aus den Riesen-Raupen wohl mal wird?

Keine Frage, es waren interessant aussehende Exemplare – aber ich brauche sie wirklich nicht unbedingt in meinem Gesicht.  Irgendwann hatte ich ständig das Gefühl, dass irgendetwas auf mir herumkrabbelt. Ich entwickelte die reinste Paranoia und war deshalb froh, als wir gegen Abend wieder im Auto saßen (natürlich habe ich vorher meinen Rücken und meine Haare gründlichst und mehrmals auf blinde Passagiere durchsuchen lassen – mein Nervenkostüm wurde wegen der Spinnen etwas überstrapaziert 😉 ) Allerdings war ich wirklich froh, meine Angst überwunden zu haben. Mir wäre sonst der Anblick dieses wunderschönen Ortes verwehrt geblieben:

Photo, please?!

Die amüsanteste Begegnung hatten wir nicht mit einer Raubkatze oder einem anderen Bewohner des Khao Yai Nationalparks, sondern mit einer Thai-Familie. Als wir einmal vor dem Weiterfahren noch um unser Auto rumstanden, fragte uns eine Frau, ob wir ein Photo machen könnten. Wir nahmen an, sie wolle sich und ihre relativ große Familie ablichten lassen. Aber weit gefehlt – wir waren das auserwählte Motiv! So wurden wir dann mit verschiedenen Familienmitgliedern mit mehreren Handys fotografiert und haben jetzt wohl einen Platz im Fotoalbum dieser netten Familie.Sie haben zwar vermutlich auch keine Elephanten zu Gesicht bekommen, dafür aber vier große, blonde, schneeweiße Langnasen 😉

Lohnt sich ein Ausflug überhaupt?

Wer in den Khao Yai Nationalpark fährt und davon ausgeht, dass ihm die wilden Tiere geradezu nachlaufen, wird also wahrscheinlich enttäuscht werden. Sicherlich schreckt so eine große Menge an Besuchern, wie sie an diesem Feiertag den Park stürmte, viele Tiere ab. Aber auch, wenn man alleine mit einem Guide abseits der Touristenpfade durch den Urwald zieht, gibt es keine Garantie dafür, irgendetwas außer Spinnen und Schmetterlingen zu entdecken. Tiere sind eben Tiere und folgen ihren eigenen Regeln. Wir sind Gast in ihrem Urwald und wenn sie sich nicht zeigen wollen, werden sie das auch nicht tun. Doch es sind nicht nur die tierischen Bewohner, die den Nationalpark sehenswert machen. Die Flora ist dort so anders als in unseren Breitengraden! Hoch in den Himmel ragende Palmen und andere Bäume, spektakulär aussehende Wurzeln und tropische Pflanzen zu bestaunen ist mindestens genauso interessant, wie wilde Tiere zu beobachten.

Oder wie siehst Du das?


3 Gedanken zu “Der Khao Yai Nationalpark – Vorstellung vs. Realität

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