Seifenblasen in Brügge

Diese kleine Stadt im Norden Belgiens ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Der Name ist zwar den meisten Menschen ein Begriff, wenn sie ihn hören, aber ansonsten denkt niemand großartig über Brügge nach. Und darüber bin ich heilfroh!Denn diese – mir fällt kein anderes Wort ein – süße flämische Stadt hat zwar ihre Touristenecken, aber sie ist lange nicht so überlaufen wie die typischen Urlaubsorte. Die Einheimischen sind freundlich und höflich, überhaupt noch nicht versaut vom Massentourismus, und die meisten Besucher bleiben nicht länger als zwei Tage. Zudem gibt es – neben lächerlich vielen Einbahnstraßen – sehr viel zu entdecken, vorzugsweise zu Fuß. Auch abseits der typischen Fotomotive wie zum Beispiel dem Belfried, der früher als Brandwache diente,  und den vielen Museen, die insbesondere die Themen Frietjes, Diamanten, Bier und Schokolade behandeln, gibt es einige sehr schöne Ecken, die einen glauben lassen, man sei plötzlich im Mittelalter gelandet. Oder befände sich an einem mystischen Ort. Oder vor einer Filmkulisse. 20161004_13274720161004_13244220161002_19083520161004_13304620161002_190035

Am liebsten bin ich einfach nur losgelaufen, durch die vielen kleinen Gassen, in denen es kleine Antiquitätenläden oder hübsche Cafés zu entdecken gibt oder manchmal auch nichts weiter als normale Wohnhäuser – und selbst die haben mir gefallen.

Was nicht heißen soll, es würde sich nicht lohnen auf den Belfried zu steigen und die Aussicht zu genießen. Und auch, wenn es natürlich absolut mega mainstream-touristisch ist – ich fand eine Fahrt über die Kanäle Brügges, dem Venedig des Nordens, wirklich bezaubernd.

Für die Bierfans unter uns lohnt sich ein Abstecher zu dem Geschäft 2be mit seiner berühmten Beer Wall in der Wollestraat 53. So viele verschiedene Biere wie hier habe ich noch nie gesehen – und das obwohl ich aus Bayern komme!

Die Geschichte Brügges, das früher eine extrem wichtige Handelsmetropole war, kannte ich bis zu meinem Aufenthalt dort überhaupt nicht und es war mir eine Freude, mich darüber zu informieren.20161002_133739

Bestimmt gibt es auch in Brügge ein Nachtleben, allerdings hat es sich mir und auch dem englischen Geschäftsmann, dem ich eines nachts über den Weg lief und der verzweifelt auf der Suche nach einer Bar war, nicht offenbart. Was aber gar nicht schlimm war, denn so habe ich einen für mich wundervollen Moment auf dem großen Platz, dem Grote Markt, vor dem Wahrzeichen Brügges erlebt.

Ein Erlebnis, das so unschuldig und dabei so hübsch anzusehen war wie die Stadt selbst: Ich hatte mir eine Waffel und eine heiße Schokolade in einem kleinen Laden in einer beinahe menschenleeren Straße geholt (rückblickend habe ich mich von kaum etwas anderem als Waffeln, Fish and Chips und heißer Schokolade ernährt – und es war GUT!) und es mir auf einer Bank auf besagtem Platz gemütlich gemacht. Auch hier waren nur vereinzelt ein paar Leute zu sehen. Es war recht frisch, aber die köstliche Trinkschokolade regelte das. Du kennst doch sicher diese aufdringlichen Verkäufer, die anscheinend gerne im Rudel auftreten und dabei ihre bunt blinkenden Plastikspielzeuge in die Luft schmeißen? Man sieht sie überall, in jeder Stadt in jedem Land in dem ich war sind mir diese Zeitgenossen begegnet. Nun, in jeder Stadt bis auf Brügge. Stattdessen unterhielt ein Straßenkünstler die wenigen Leute mit dem unschuldigsten, was es gibt: Mit Seifenblasen! Das war so unaufdringlich, so echt und so schön anzusehen wie die ganze Stadt. Die teilweise riesigen Seifenblasen waberten vor dem wunderschön beleuchteten  Provinciaal Hof, an dessen Stelle früher die Wasserhalle stand, von der aus Waren direkt vom Lieferboot aus auf den Markt gebracht werden konnten, immer höher und verliehen dem Ganzen etwas leicht märchenhaftes.

Ich hätte am liebsten für immer dort gesessen und einfach nur zugeschaut. Dieses scheinbar unscheinbare Erlebnis war mein persönlicher Brügge-Moment.

Und hier noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Die aller-aller-aller-allerbeste heiße Schokolade habe ich in einem winzigen Schokoladengeschäft namens Moeder Babelutte Rozenhoedkaai bekommen und du findest es hier. Gern geschehen 😉


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