Was ich an Venedig liebe

Wer schon einmal in Venedig war erinnert sich vermutlich vor allem an die nicht enden wollenden Ströme von Touristen, die einen lärmend durch die engen Gassen dieser berüchtigten Stadt schieben. 

Nun, auf diese Art von Sightseeing stehe ich nicht wirklich. Darum erkundete ich die Stadt abseits des Mainstream-Tourismus. Wenn ich reise ist es mir eine besondere Freude, gerade die Orte, die von gewöhnlichen Pauschalurlaubern eher nicht heimgesucht werden, zu erkunden.

 

Jenseits der berühmten und altbekannten Sehenswürdigkeiten warten nämlich oft auch wunderschöne Plätze, die bewundert werden wollen und Erlebnisse, die erlebt werden sollten. Ob mir eine Stadt gefällt entscheidet nicht nur die Kulisse sondern auch das Flair, das von ihr ausgeht. Und Venedig hat mich wahrhaftig verzaubert,sowohl bei Tag als auch bei Nacht.

Gerade  mit der Fähre und zusammen mit unzähligen anderen Menschen angekommen, kämpfte ich mich zuerst durch die Masse von Urlaubern und ihren Kameras heraus und verschwand einfach in den Gassen von Venedig, in entgegengesetzter Richtung zu dem Großteil der Tagesbesucher. Ich bummelte einfach gemütlich durch die Straßen ohne ein bestimmtes Ziel zu haben – und im Nachhinein bin ich der Meinung, dass genau das das Ziel einer Venedigreise sein sollte! Einfach den labyrinthartigen Aufbau von Venedig durchstreifen und sich davon begeistern lassen, wie diese Stadt funktioniert.224.JPG Dabei gehört es auch dazu, immer wieder in Sackgassen zu geraten. An manchen Stellen endet ein Weg abrupt an einem Kanal, was ich gerne für ein kleines Päuschen genutzt habe.

Es heißt, die Restaurantpreise in Venedig wären astronomisch hoch und dazu seien die Kellner in höchstem Maße arrogant. Ich denke, dass das stimmt – wenn man sich eines der vielen anonymen Restaurants, die mit bebilderten Plastikspeisekarten in zwölf Sprachen um die Gunst der Touristen buhlen und die die berühmtesten Sehenswürdigkeiten Venedigs umringen, aussucht. Wagt man sich aber ein wenig weiter in die Stadt hinein,lässt sich durchaus ab und an ein hübsches Restaurant finden, in dem die Ober noch nicht von den Horden von Touristen zu griesgrämigen und der Nicht-Venezianer überdrüssigen Grantlern gemacht wurden.214.JPG

Es lohnt sich auch, auf die kleinen Details zu achten, zum Beispiel Inschriften in Mauern, kleine Statuen und Figuren und selbst Türklingeln sind in Venedig oft bemerkenswert:

Hinter hohen Mauern kann man manchmal prachtvolle Gärten erahnen, die ich gerne besichtigt hätte, wären es nicht Privatgärten und die Einheimischen nicht geplagt genug durch den Massentourismus.096

Übernachtet habe ich in einem ungewöhnlichen kleinen Bed and Breakfast, das mir ein Gefühl dafür gab, wie Venedig früher gewesen sein muss. Von außen sah das Haus ganz normal und eher schmal aus – drinnen wird man dann von der Größe und Geräumigkeit überrascht. Ich musste einige alte, renovierungsbedürftige Räume durchqueren, in die nur sehr wenig Licht durch die schweren Brockatvorhänge auf die verstaubten Samtsofas und wuchtigen Gemälde fiel. Gemütliche Aufenthaltsräume luden zum Verweilen ein.Am Ende wartete dann ein Hotelzimmer auf mich, wie ich noch nie eines gesehen hatte und seither auch nie mehr zu sehen bekommen habe.

Als es dunkel wurde und sich meine Füße allmählich von dem vielen Laufen erholt hatten, beschloss ich, mir Venedig bei Nacht anzusehen. Die engen, verwinkelten Gassen waren nahezu menschenleer und wer mir über den Weg lief war meist einheimisch. Natürlich kam es, wie es kommen musste: Ich verlief mich und den Stadtplan hatte ich im Hotel gelassen. Ein warmer Wind wurde teilweise von einem etwas gruseligem Heulen begleitet, und zwar bevorzugt wenn ich mich schon wieder in eine düsteren Sackgasse verirrt hatte. Das zusammen mit dem leicht morbiden Hauch, der Venedig umgibt, ließ mich ein wenig frösteln und gleichzeitig unglaublich froh sein, dass ich dies erleben durfte. Irgendwann stand ich dann vor einer Notaufnahme – allerdings eine, die ich so noch nie gesehen hatte: Sie war mit „Krankenwagenbooten“ nur vom Wasser aus zu erreichen. Ich war zu gleichen Teilen amüsiert und beeindruckt. Natürlich fand ich irgendwann den Weg zurück zu meinem wunderschönen Hotel und irre nicht seither als trauriger Geist durch Venedig. Dieses Erlebnis hat mich allerdings wirklich nachhaltig begeistert.

Ein kleiner Tipp zum Schluss: Spare Dir eine teure Fahrt mit einer Gondel (es sei denn, das wolltest Du schon immer mal machen – dann mach es natürlich unbedingt!) und fahre stattdessen mit einem Vaporetto, einem venezianischen Linienboot, durch die Kanäle. Es ist billiger, du triffst Einheimische und siehst so ziemlich das, was du auch von einer Gondel aus gesehen hättest.

Ich kann nur empfehlen, Dir für Venedig mehr als einen halben Tag Zeit zu nehmen, damit Du es auch wirklich ausgiebig erkunden kannst.

Hier noch ein paar Bilder dieser ganz zauberhaften Stadt:

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Ein Gedanke zu “Was ich an Venedig liebe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s